Zur Wahl des Manager des Jahres

BV-Tage

Wie Uwe Furtner die Entwicklung von MATRIX VISION erlebte:

Am Anfang war das Bild

Bilder, Fotos und Gemälde erzählen Geschichten und werden in der Kunst durch den Betrachter interpretiert. In der Bildverarbeitung werden die Bilder durch den Computer analysiert und liefern Informationen zur Maßhaltigkeit eines Bauteils. Man kann entscheiden ob ein Teil gut oder schlecht ist, oder ob ein Ball im Tor war. Man kann erkennen ob ein Fahrzeug die falsche Seite der Autobahnauffahrt nimmt, oder ob ein Blutbild ein Herzinfarktrisiko signalisiert. Bildverarbeitung wird überall eingesetzt wo man ein Bild sprechen lassen kann. Ganz nach unserem Motto „erkennen – analysieren – entscheiden“.

Aber wie kommt das Bild in den Computer? In den 80er Jahren gab es nur analoge Kameras aus der Videotechnik. Damit die ersten PCs auch Bilder verarbeiten konnten, musste mittels einer Bilderfassungs-Einsteckkarte (Frame Grabber) das analoge Signal aufwändig digitalisiert werden.

In dieser Zeit hatten Gerhard Thullner und Werner Armingeon ein Unternehmen gegründet und mit den damals in Geschwindigkeit und Speicher überlegenen, sowie weit günstigeren ATARI Rechnern entwickelt. Sie schafften es binnen weniger Jahre Weltmarktführer für ATARI Grafikkarten für CAD, Text- und DTP-Anwendungen zu werden. Es war ein rasanter Aufstieg. Die Firmengründer erkannten aber rasch, dass ATARI mit der Leistungssteigerung und dem Preisverfall der PCs nicht werden mithalten können. Schnell war klar, dass nur eine industrielle Ausrichtung die Zukunft sein konnte. Statt Grafikkarten wurden nun Bilderfassungskarten für den PC entwickelt. Für einen erfolgreichen Start in den neuen Bildverarbeitungsmarkt, musste aber neues Personal mit BV-Erfahrung eingestellt werden. So kam ich als Produktmanager 1992 zur Firma MATRIX VISION.

Aber wie sollte sich MATRIX VISION als Newcomer auf dem Markt gegenüber den großen Playern von Übersee behaupten können? Eine einfache Programmierschnittstelle und eine exzellente Kundenbetreuung waren die Lösung. Denn es war mir schnell klar, dass der zur damaligen Zeit erwartete jährliche Zuwachs von 30%, nur realisierbar sein wird, wenn die Anwendungsentwickler mit unserer Hilfe Ihre PS schnell auf die Straße bekommen.

Der Start mit nur wenigen Kunden war nicht einfach. Das änderte sich als bekannt wurde, dass die Kunden bei uns die nötige Hilfe zur Lösung ihrer Probleme bekommen können. Durch diesen „direkten Draht“ zum Hersteller waren und sind unsere Kunden in der Lage, auch die hohen Anforderungen ihrer Kunden an Technik und Termintreue, bestens bedienen zu können. Unsere Stärke ist es, dem Kunden durch die Erfüllung von Sonderwünschen, einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Unsere Kunden sind treue Partner, mit denen wir gemeinsam Innovationen schaffen.

1996 beteiligte ich mich am Unternehmen mit damals 25 Mitarbeitern und wurde zum Geschäftsführer bestellt. Neben den geschäftsführenden Firmengründern Gerhard Thullner und Werner Armingeon war ich zuständig für die Treiberentwicklung und die Kundenbeziehungen, technische Anwendungsberatung, Projektierungen und Produktmanagement.

Gute Geschäfte ermöglichten ein stetes Wachstum auf dato über 80 Mitarbeiter. Eine große Palette an Frame Grabbern war die Basis des Erfolgs. 1999 brachten wir eine PC-basierte intelligente Kamera auf den Markt, die zwar als Kamera groß, jedoch als PC sehr klein war. Ziel war eigentlich eine intelligente, kleine DSP-basierte Kamera, doch leider wollten in den Anfangszeit die Anwenderentwickler nicht auf Windows verzichten. 2002 war die Zeit reif für unseren Traum von einer Linux basierten intelligenten Kamera mvBlueLYNX. Das war die erste intelligente Kamera mit Standard Betriebsystem auf dem Markt, die in Betreff der Größe den Namen Kamera wirklich verdiente.

Zusätzlich zu den intelligenten Kameras starteten wir im Jahre 2000 mit digitalen Kameras mit Standard PC-Schnittstellen wie USB und später Gigabit Ethernet. Heute können wir sagen, dass wir sicher die breitbandigste Produktpalette im Markt der Bildverarbeitung haben. Neben Frame Grabbern, Softwaretools, viele Standard-Kameras mit den unterschiedlichsten Sensoren, diverse intelligente Kameras und seit 2014 auch eine preisgekrönte 6D-Kamera, die ihre Umgebung wahrnehmen kann.
Da wir auf Individualität und kundenspezifische Produkte spezialisiert sind, haben wir 2005 eine Auswerteeinheit für das deutsche Pfandsystem (DPG) entwickelt und in kurzer Zeit zur Serienreife gebracht. Sie besteht aus einer intelligenten Kamera, welche die Sicherheitskriterien des DPG-Logos prüft. In einem Großteil der Flaschenrücknahme-Automaten ist MATRIX VISION Inside. Was mich neben dem Beitrag zum Umweltschutz besonders begeistert, ist, dass 5 Jahre zuvor Gutachter bekundeten, dass man solch ein Pfandsystem mit Bildverarbeitung aus Preis und Leistungsgründen nicht verwirklichen kann – wir haben es geschafft.

Wie schaffen wir diese Vielfalt mit nur 80 Mitarbeitern, wird sich so mancher fragen: Durch ein modulares Baukastensystem und durch hervorragende und langjährige Mitarbeiter, organisiert in kleinen Teams und agilen Strukturen. Häufig benötigte Kompetenzen sollten möglichst alle in einem Team vorhanden sein, denn nur so vermeidet man „Verluste“ an den Schnittstellen. Die enge Zusammenarbeit aller Teammitglieder ermöglicht ein optimales Ergebnis in kurzer Zeit. So haben wir viele kleine Ingenieurbüros, die sich selbst organisieren und die vielfältige Produktlandschaft kreieren.

Seit 2014 haben sich die beiden Gründer aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Die Verantwortung haben Herr Erhard Meier als kaufmännischer und ich als technischer Geschäftsführer übernommen.

In 23 Jahre gibt es Höhen und Tiefen, wenn man in der Verantwortung steht. Der Glaube an die Zukunft und die Freude an der Arbeit haben es ermöglicht, gestärkt aus schwierigen Situationen heraus zu treten und waren oft Motivator für eine positive Weiterentwicklung.

Uwe Furtner

P.S.: Wenn Ihnen MATRIX VISION gefällt, würde ich mich freuen, in der Managerwahl ihre Stimme zu bekommen.

  • Abgestimmt wurde bis zum 17.04.2015

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